Friaul-Julisch Venetien

Vorbemerkung


Die Hauptstadt dieser von der italienischen Verfassung festgelegten Region, die an das Veneto, an Österreich und an Jugoslawien grenzt, ist Udine. Die Region zählt einige wichtige, in Bezug auf Geschichte und Traditionen ziemlich unterschiedliche Zentren, darunter Görz, Triest und Pordenone. Die Wirtschaft ist landwirtschaftlich in der Ebene und in Hügelgebieten, voralpin und forst- und landwirtschaftlich in den Bergen. Hier fand vor der industriellen Entwicklung eine hohe Wanderung von Arbeitskräften statt, da die lokalen Ressourcen nicht für die Ernährung der Bewohner ausreichten. Noch heute produziert die Landwirtschaft in großem Umfang Mais, die vorherrschende Getreidesorte. Dazu kommen der Weinbau und die Erzeugung von Futterpflanzen. Im bergigen Teil liefert nämlich die Viehzucht - zum Teil noch mit Transhumanz - dem ganzen Gebiet Milchkühe mit einer starken Erzeugung von Milchprodukten. Die komplexe Geschichte dieses Landstrichs ist bedingt durch die geographische Lage und die beiden Weltkriege, die dieses Gebiet in der ersten Hälfte des 20. Jh. erschüttert haben. Außerdem fließen hier verschiedene Kulturen zusammen: man denke nur an das sprachliche Panorama mit einer Vielzahl an untereinander sehr verschiedenen Dialekten und außerdem dem Ladinischen, das mit uralten Merkmalen weiter besteht, und dem Friaulischen, das längst die Würde einer Sprache erlangt hat. Österreichische, slawische und deutsche Einflüsse sind in vielen Sitten und Gebräuchen der Bevölkerung festzustellen. In allen Aspekten des Lebens bestehen alte Traditionen weiter, einschließlich der Küche, die bei aller Einfachheit gleichzeitig äußerst abwechslungsreich ist. War doch Triest das bedeutendste Zentrum der Mitteleuropäischen Kultur, die den verschiedenen europäischen kulturellen Zuflüssen stets offenstand, und noch heute rühmt sich die Stadt als ihre Wiege.
Andererseits besteht die Region aus drei sehr unterschiedlichen geographischen Landschaften: die Berglandschaft der Karnischen Alpen, die friaulischen Hügel voller Weingärten und der rauhe Karst, der wie von einer Laune der Natur als Rahmen um den herrlichen Golf von Triest gelegt wurde.
Mehr noch als in den Produkten, die für den Verbrauch bestimmt sind, weist die Region vielfältige Aspekte in den Zubereitungen auf. Dieses ist sowohl in der alltäglichen Küche der Fall als auch in den Rezepten, die für Rituale und familiäre Feste gedacht sind oder ganz einfach aus Sitten oder Lebensgewohnheiten entstanden, die aus Wien, Budapest oder Prag kamen. Wir beziehen uns auf die Süßspeisen, die besonders für das Gebiet um Triest charakteristisch sind. In dieser Stadt ist die Tradition der Sachertorte und der "dobos" noch heute lebendig in den Konditoreien und Cafes, in denen der Brauch einer Rast und eines Ideenaustauschs das immer noch heitere und gelassene Leben der Triester Bevölkerung kennzeichnet.
Wenige Kilometer, nicht mehr als zehn, reichen aus, und die Umgebung verändert sich vollständig. Man taucht ein in den Karst mit seinen "osmize". Diesen Landhäusern erlaubt eine Konzession, die auf Maria Theresia von Österreich zurückgeht, nach dem einfachen Anbringen eines Zweiges am Eingang den Verkauf von ländlichen Produkten - und nur diesen - an Passanten.
Ein weiteres Gesicht des Friaul lernt man kennen, wenn sich die Region an der Mündung des Timavo und der Sternenstadt Palmanova vorbei mit ihren unendlichen Physiognomien zeigt: das Friaul der Hügel, das Friaul der großen Weißweine, der Grappas und der wertvollen Geiste, die Oase von San Daniele mit seinen Schinken und das kleine Reich von Sauris, Domäne eines geräucherten Schinkens, der seinesgleichen sucht.
Und dazu das Obst und das Gemüse, beides berühmt, die Wurstwaren und die Käsesorten mit der meisterhaften Zubereitung des "frico". Letzteres ist die absolute Synthese der Tüchtigkeit der friaulischen Hausfrau, der es unter Verwendung allein der Käsereste gelingt, aus ihnen ein Gericht zu zaubern, das in seiner Einfachheit hervorragend ist.
Diese Region wird wie vielleicht kein anderes italienisches Gebiet außer von ihrer geographischen Lage von ihrer Geschichte gekennzeichnet. Diese kennzeichnet das Leben ihrer Bewohner sehr stark, auch da wahrscheinlich in keinem anderen Landstrich im Laufe der Jahrhunderte so vielfältige und so einschneidende Einflüsse zusammengetroffen sind.