Storia della Cucina Italiana Ristoranti Latium Die Juden und ihre Küche

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Die Juden und ihre Küche


Die jüdische Gemeinde in Rom, die erste und zahlreichste der gesamten Halbinsel, lebte zusammengeschart zwischen Trastevere, Suburra und Porta Capena. Sie hatte dreizehn Synagogen (Versammlungsorte der Gemeinschaft), jede einzelne mit einer eigenen internen Verfassung, und sie war autonom, mit eigenem Oberhaupt und eigenen Lehrern, Katakomben-Friedhöfen an der Porta Portese, in der Via Appia, auf der Labicana und der Nomentana.
Nachdem sie anfangs mit den ersten Christen verwechselt wurden, ließen die Juden bald ihren spirituellen Einfluss in der Stadt spüren. Es traten sogar einige Römer zum jüdischen Glauben über, da sie beeindruckt waren von den jüdischen Sitten, vom strengen Monotheismus, vom Sabbat. Die Juden wurden jedoch auch ausgelacht und von einem Teil der Bevölkerung aufgrund der Praxis der Zirkumzision als Barbaren betrachtet.
Um das 1. Jh. war die jüdische Gemeinde von Rom nicht mehr die einzige in Italien: in Venosa und Syrakus (wo Reste der jüdischen Katakomben überdauert haben), Pozzuoli und Pompeji in Kampanien, Taranto und Otranto in Apulien, Ferrara, Brescia, Mailand in Norditalien lebten kleinere Gruppen.
Die römische Toleranz gegenüber den Juden nahm mit der Durchsetzung des Christentums allmählich ab, besonders, nachdem die katholische Religion mit dem Edikt von Thessaloniki von Theodosius (380) als offizielle Staatsreligion anerkannt wurde. Von diesem Moment an wurde das Prinzip der Toleranz abgelöst von dem der Intransigenz gegenüber aller nichtchristlichen Kulte. Das Judentum jedoch hatte im Vergleich zu den anderen Religionen ein besonderes Merkmal: das Christentum war aus dem Judentum entstanden und der historische und religiöse Ursprung musste respektiert werden. Dennoch hatten die Juden Jesus Christus nicht als den Messias anerkannt, sie hatten ihn im Gegenteil sogar gekreuzigt und mussten daher diskriminiert und gebrandmarkt werden.
Die langsame und unaufhaltsame politische, militärische und wirtschaftliche Dekadenz des Reichs in den darauffolgenden Jahrhunderten endete damit, dass dem Papst eine immer größere Macht zukam, die schließlich auch für das Leben der jüdischen Gemeinde entscheidend war. Von Gregor I. dem Großen (590-604) an und über dreizehn Jahrhunderte lang erlebten die Gemeinschaft in Rom und die auf dem Gebiet der Kirche existierenden Gemeinschaften wechselhafte Geschicke, je nach der Einstellung der jeweiligen Päpste ihrer Gruppe gegenüber.
Die Wiedergeburt des Reichs mit dem Hl. Römischen Reich von Karl dem Großen, das sich auf Italien erstreckte, änderte die Situation: Karl der Große ernannte einen besonderen Magistrat für den Schutz der bürgerlichen und kommerziellen Rechte der Juden. Unter den Karolingern bildeten sich dank der relativen Ruhe, die die Juden in diesem und den darauffolgenden Jahrhunderten (8. bis 10.) genossen, zwischen Pavia und Verona einige Gemeinschaften. Unter den einzelnen Ottos konnten sich sogar Schulen für jüdische Studien entwickeln, besonders in Rom, Bari, Otranto und in zahlreichen sizilianischen Gemeinschaften, so dass die italienischen jüdischen Gelehrten bald in ganz Europa anerkannt wurden.
Nach dem Jahre Tausend wurde die Situation der Juden ungewisser, da sie dem despotischen Willen der Lehnsherren unterworfen und an ihn gebunden waren. Als dann in der Zeit der Stadtstaaten die Zünfte der einzelnen Handwerke und Berufe entstanden, wurden die Juden davon ausgeschlossen: um daran teilzunehmen, musste man Christ sein. Die Juden konnten nur den Handel mit gebrauchten Sachen und den Geldverleih gegen Zinsen ausüben. Letzteren verbot die Kirche den eigenen Gläubigen bis zum 13. Jh., bis dahin war er nur denjenigen erlaubt, die wie die Juden nicht der christlichen Gemeinschaft angehörten. Diese Tatsache ist von unermesslicher Bedeutung: in einer Zeit, in der man vom Tauschhandel zum Markthandel überging, sicherte die Kontrolle der Investitionen und des Geldumlaufs demjenigen, der sie innehatte, die wichtigste finanzielle und kommerzielle Rolle zu.
Die Darlehen kamen sowohl dem Adel als auch den ersten Signorie zugute, die ständig Finanzierungen benötigten für die Kriege, als auch dem kleinen Volk, dessen Lebensbedingungen miserabel waren und das daher auf kleine Darlehen zurückgreifen musste, um zu überleben. Von denselben Herrschaften wurden den Juden auch die “condotte” zugestanden, Pfandhäuser, über die sie Geld zu einem vorher festgelegten Zinssatz verliehen. Allein auf der Grundlage dieser Tätigkeit erwarben sich die Juden das Recht auf Wohnsitz.
Bald nahmen die “condotte” auf der gesamten Halbinsel zu und jüdische Gruppen ließen sich in großen wie kleinen Städten und ebenso in den ländlichen Zentren nieder.
Zu den beruflichen Beschränkungen kamen andere Diskriminierungen. Das IV. Laterankonzil (1215) legte fest, dass die Juden in separaten Stadtvierteln leben und ein Erkennungszeichen tragen mussten. Bei den Männern handelte es sich um einen Hut von besonderer Form und Farbe (gelb oder rot) oder um ein rundes Stück Stoff auf dem Mantel; die Frauen mussten ein gelbes Tuch als Kopfbedeckung tragen, wie die damaligen Dirnen. Diese Regelungen wurden jedoch über ein Jahrhundert lang nicht durchgeführt, auch nicht in den Kirchenstaaten selbst.
Die schwarze Pest, die sich im Jahre 1348 in ganz Europa ausbreitete, bot dann einen neuen Anlass zur Verfolgung. Die Juden wurden nämlich beschuldigt, die Krankheit durch Vergiften der Brunnen auszubreiten, da sie selber nicht angesteckt wurden. Die erste Beschuldigung war natürlich falsch, doch die zweite beruhte auf einer wahrscheinlich begründeten Beobachtung: Die Juden lebten unter sich, isoliert in einem einzigen Gebiet der Stadt, und sie befolgten aus religiösen Gründen besondere und sehr strikte hygienische Regeln. So konnte die Pest bei ihnen keinen fruchtbaren Boden finden. Die entstandene Verleumdung verbreitete sich insbesondere in Deutschland und führte zu Massakern und Fluchten. Viele Juden flohen und fanden Unterschlupf in Norditalien, besonders in den Gemeinschaften von Venedig, Padua, Ferrara und Mantua.
Der erste Humanismus mit seinem Gedankengut der Öffnung und Versöhnung begünstigte die Entwicklung der Kultur und der Literatur auch in der jüdischen Gruppe. Im darauf folgenden Jahrhundert verbesserte sich die Lage weiter: In Ferrara nahmen die Juden, angezogen von der liberalen Politik der Este, zahlenmäßig zu; in Florenz schützten die Medici, wer ihnen Geld lieh. In Piemont, Turin, Casale, Moncalvo und Cuneo vergrößerten französische Juden die Gemeinden. Im Süden und auf den Inseln dagegen wurde die judenfeindliche Haltung Spaniens deutlich.
Auf der ganzen Halbinsel traten ab dem 15. Jh. neue beunruhigende judenfeindliche Gärungen auf, angestachelt durch die Predigten einiger Minderbrüder. In diesem aufgeheizten Klima kam es in Trient zum tragischen Fall des Kindes Simonino, das angeblich von Juden durch einen rituellen Mord getötet worden war. Später wurde es als heilig verehrt. Der Prozess, der zum Todesurteil führte, wurde im Jahre 1475 abgehalten. Alle Juden, die in Trient und insbesondere in Riva lebten, wurden nach diesem Zwischenfall ausgewiesen. Die Juden ihrerseits belegten diese Region mit dem Bann, dem “herem”, weshalb sich dort seitdem keine Gemeinde mehr gebildet hat.
Eine radikale Änderung erlebte die jüdische Geschichte in Italien nach 1492: Alle Juden Spaniens und später auch Portugals wurden unter Ferdinand dem Katholischen ausgewiesen. Viele von ihnen suchten in den italienischen Gemeinden (Livorno, Ancona, Venedig) Unterschlupf. In einem Zeitraum von ungefähr fünfzig Jahren mussten sie jedoch auch Süditalien und die Inseln verlassen. Dieser fast biblische Exodus verursachte das progressive und endgültige Verschwinden der Juden aus Süditalien mit schweren Schäden für die gesamte süditalienische Wirtschaft. Nur eine Zahl zur Veranschaulichung: allein aus Sizilien brachen sechsunddreißigtausend Juden auf. Zum Teil machten sie in Rom halt, teilweise fuhren sie weiter bis in die Marken.
Ab der zweiten Hälfte des 16. Jh. nahm die Kirche, die mit der Gegenreform beschäftigt war, eine starre und unnachgiebige Haltung ein, auch gegenüber den Juden. Die anti-jüdische Politik gipfelte mit der Bulle Cum nimis absurdum von Papst Paul IV. (1555): Alle Juden mussten in Ghettos eingeschlossen werden, durften keine Synagoge mehr haben, mussten jede Immobilie verkaufen, durften nur mit gebrauchten Dingen handeln und mussten das Erkennungszeichen tragen. Viele dieser Regeln existierten, wie bereits gesagt, schon lange, fanden jedoch erst jetzt praktische und normative Anwendung.
Die Juden in Rom, die sofort die Härte der Bulle erkannten, boten vierzigtausend Scudos, um sie aufzuheben. Doch es gelang ihnen nicht und um dieser Bulle nicht zu unterliegen, flüchteten viele aus dem Kirchenstaat in andere Staaten, wo diese Beschränkungen noch nicht – zumindest für kurze Zeit – existierten. Das erste Ghetto war bereits im Jahre 1516 in Venedig entstanden. Nun, als Folge dieser Norm, wurde das Ghetto von Rom errichtet (1555) und in den darauf folgenden Jahren kamen in jeder Stadt der Halbinsel, wo Juden lebten, weitere dazu. Die lange und erniedrigende Zeit der Segregation hatte so ihren Anfang und sie war dazu bestimmt, bis zur Epoche Napoleons zu dauern.
Die Ghettos waren ungesund, eng, und sie hatten nur begrenzten Platz. Und trotzdem blieb nie ein Jude ohne Dach über dem Kopf, auch wenn es nicht gerade sicher war: Der Platz wurde aufgeteilt und auf die unglaublichste Art und Weise genutzt, mit Stockwerken auf wieder anderen Stockwerken (in Venedig erreichten diese «Wolkenkratzer» bis zu neun Etagen), mit Korridoren und Treppen, die in Zimmer umgewandelt wurden. Es waren arme Stadtviertel, in denen das Leben immer im Zeichen der Unsicherheit verlief, und sie waren die ersten, die bei Volksaufständen oder Kriegen geplündert wurden. Und doch blühten dort die Lehren der Thora (Glaubenslehre, Rechtslehre) und des Talmud (Korpus der Diskussionen, Auslegung und Entwicklung des jüdischen Gesetzes) und es gab Schulen für die Kinder. Sie waren Treffpunkte der jüdischen Händler, die sich auf der Durchreise von einer Stadt zur anderen oder sogar von einem Land zum anderen befanden, und folglich Zentren zum Nachrichten- und Informationsaustausch. Paradoxerweise waren diese Stadtviertel, die die isoliertesten der Stadt sein sollten, dank dieses unerschöpflichen Umherziehens diejenigen mit den häufigsten internationalen Beziehungen.
Als die Juden im Jahre 1569 aus dem gesamten Kirchenstaat – ausgenommen Rom und Ancona – ausgestoßen wurden, verschwanden viele Gemeinschaften. Einige Familien, die aus vielen Zentren des Latium in das Ghetto von Rom geflüchtet waren, bewahrten im Nachnamen die Erinnerung an ihren Ursprungsort: Tagliacozzo, Di Veroli, Marino, Di Segni, Di Nepi.
Die anti-jüdische Politik wurde eine konstante Praxis: Carlo Borromeo erreichte die Ausweisung der Juden aus dem Herzogtum von Mailand (1597) und sogar Venedig drohte damit, der alten Gemeinschaft die Erlaubnis des Wohnsitzes nicht zu erneuern. Die einzige Ausnahme bildete Livorno, wo Großherzog Ferdinando de' Medici das liberale Gesetz “Livornina” erließ, das den Juden großen Respekt zollte und so viele Händler in die Stadt lockte, die anderswo verfolgt wurden. Die Juden in Livorno waren übrigens als einzige nie dazu gezwungen worden, in einem Ghetto zu leben.
Im 17. und im 18. Jh. änderten sich die Bedingungen der Segregation und der Instabilität nicht: An den Rand der Gesellschaft gedrängt und verachtet hatten die Juden sogar Mühe, den Geldverleih auszuüben, u.a. auch wegen der starken Konkurrenz der Monti di Pieta' (Leihhäuser), die im 15. Jh. entstanden waren. Da ist es nicht verwunderlich, dass Napoleon bei seiner Ankunft in Italien im Jahre 1796 von den Juden wie ein Retter empfangen wurde. Die Tore des Ghettos wurden herausgerissen und unter dem Baum der Freiheit auf der Piazza verbrannt und zum ersten Mal in ihrer Geschichte fühlten sich die Juden als gleichberechtigte Bürger. Nur die Orthodoxen blieben misstrauisch und missbilligten offen den von ihren Brüdern gegenüber dem Vertreter des revolutionären, weltlichen und anti-religiösen Frankreich gezeigten Enthusiasmus. Und sie hatten dabei nicht ganz unrecht: Die anti-jüdischen Vorurteile, die sich im Laufe der Jahrhunderte angesammmelt hatten, verleiteten Napoleon dazu, die Kriegsausgaben zwischen Adel, Klerus und Juden aufzuteilen.
Doch im 19. Jh. traten jüdische Kinder zum ersten Mal über die Schwelle einer öffentlichen Schule und Kranke konnten endlich in Krankenhäuser gehen. Die Juden bekleideten sogar einige Ämter in der öffentlichen Verwaltung. 1806 berief Napoleon in Paris ein Synedrium ein, um das rechtliche Leben in allen jüdischen Gemeinschaften seines Reiches neu zu organisieren. Einhundertelf hochrangige Persönlichkeiten aus allen Teilen des Reichs begaben sich dorthin; dreizehn von ihnen repräsentierten Piemont und sechzehn das italische Reich, wogegen aus der Toskana und aus dem Kirchenstaat kein Delegierter kam, da beide außerhalb der direkten französischen Jurisdiktion lagen. Es gelang dem Synedrium jedoch nicht, Polemik und Unzufriedenheit zu beseitigen, die ihre Ursache in den schweren Restriktionen hatten, die den Juden beim Handel auferlegt worden waren.
Die Niederlage von Napoleon und die Restauration kennzeichneten eine Unterbrechung der Emanzipierung: Die Juden wurden erneut in Ghettos getrieben und teilweise auch ihrer Gleichheitsrechte beraubt. Doch einige der Einschränkungen, die wie das Erkennungszeichen die persönliche Würde am meisten verletzten, kamen nicht mehr zum Tragen.
1848 war das Jahr der Emanzipierung der piemontesischen Juden: Mit einigen ergänzenden Dekreten seines Statuts erkannte Karl Albert sie als ebenbürtige Bürger in Bezug auf ihre Rechte und Pflichten an.
In Geheimbünde, in Kämpfe des Risorgimento und Unabhängigkeitskriege waren in erster Linie alle Juden verwickelt. Und es konnte gar nicht anders sein. Nach Jahrhunderten der Diskriminierung kämpften die Juden Seite an Seite mit den anderen Italienern gegen die reaktionären Herrscher und für die Einheit der Halbinsel. Das war eine große Errungenschaft: Endlich mussten sie sich im sozialen Leben nicht mehr anpassen oder die Orte ihres Kultes verstecken, die nun zu imposanten, majestätischen Gebäuden und zu einem integrierenden Bestandteil des Stadtbildes wurden. In Florenz, Rom, Turin, Mailand, Alessandria, Vercelli (und die Liste ist noch lange nicht zu Ende) wurden große Tempel errichtet, die den christlichen Kirchen sehr viel mehr ähnelten als den behaglichen Synagogen der Schulen des 17. und 18. Jh..
Die Emanzipierung änderte das Gesicht des Judentums auch in vieler anderer Hinsicht: Es begann die Assimilierung und die alten, jahrhundertelang bewahrten Traditionen der Väter wurden aufgegeben. Um sich ganz als Italiener betrachten zu können, neigten die Juden nun dazu, sich vollkommen in das umliegende Ambiente zu integrieren und häufig, bewusst oder auch unbewusst, ihre Zugehörigkeit zu verleugnen.
Als zu Beginn des 20. Jh. der Prozess der Urbanisierung und der Industrialisierung des Landes massiv fortschritt, konzentrierten sich die Juden in den Städten. Sie verließen definitiv jene kleinen ländlichen Zentren, in denen sie jahrhundertelang geblieben waren und Handel und Geldverleih betrieben hatten. Sie widmeten sich nun freien Berufen und traten in die öffentliche Verwaltung und ins Heer ein, wovon sie in vielen Regionen seit jeher ausgeschlossen worden waren. Viele andere dagegen entwickelten ihren Handel zu kleinen Industrieeinheiten.
Als im Jahre 1922 die faschistische Partei in die Regierung eintrat, waren die Juden längst perfekt in die Nation integriert und hatten nicht den mindesten Verdacht einer möglichen antisemitischen Politik des zukünftigen Regimes. Einige Juden hatten sogar an der Gründung der Partei mitgewirkt, andere wiederum am Marsch auf Rom teilgenommen; und in der Meinung, so die eigenen wirtschaftlichen Interessen und die eigenen nationalistischen Ideale zu verteidigen, unterstützten viele Industrielle und Händler den Faschismus finanziell. Außerdem besetzten Juden herausragende öffentliche Ämter.
Mussolini behielt lange eine ambivalente Haltung gegenüber der jüdischen Gruppe bei. Trotzdem wurde er stets verdächtigt, Beziehungen zu den Juden anderer Länder, zum «internationalen Judaismus» und zu einem angenommenen «judaischen-freimaurerischen» Klüngel zu haben. Als im Jahre 1929 das Konkordat zwischen Italien und dem Vatikanstaat unterzeichnet und der Katholizismus zur Staatsreligion wurde, regelte das Leben der jüdischen Gemeinschaft das Gesetz Falco (1930), dem kraft Artikel 8 der Verfassung das Prinzip der Einigung zwischen dem italienischen Staat und den nicht-katholischen religiösen Konfessionen unterliegt.
Die echte Verfolgung und anti-jüdische Diskriminierung begann in Italien im Jahre 1938, als die Beziehungen zwischen Mussolini und Hitler enger wurden. Der Antisemitismus wandte die falschen Lehren der Rassenverfolgung an, die bis dahin der italienischen Tradition unbekannt gewesen waren. 1938 ließ Mussolini das «Manifesto del razzismo italiano» (Manifest des italienischen Rassismus) drucken, mit dem sich der Faschismus der nationalsozialistischen Ideologie anschloss und die Existenz einer reinen italienischen Rasse erklärte, der die Juden nicht angehörten.
Auf die anfänglichen Erklärungen folgten ab September des gleichen Jahres Dekret-Gesetze, die die ausländischen Juden des Landes verwiesen und die italienischen Juden aus den Schulen, aus dem Wehrdienst und aus öffentlichen Ämtern entließen: Die Juden wurden zu Bürgern zweiter Klasse degradiert. Im vergeblichen Glauben, sich zu retten, traten einige Juden zum katholischen Glauben über. Zirka fünftausend verließen Italien in Richtung Palästina, Vereinigte Staaten und Südamerika. Manche, wie der Verleger Formiggini aus Modena, wählten den Freitod.
Als Italien 1940 neben Hitler-Deutschland in den Krieg eintrat, fühlten sich auch die faschistischen Schlägertrupps zu Razzien und Plünderungen der jüdischen Gemeinschaft berechtigt: Die Synagogen von Triest, Turin, Padua und Ferrara wurden als erste verwüstet. Die in Italien gebliebenen Juden wurden ausgegrenzt und in Lager eingeschlossen. 1943 begannen dann die Razzien und die Deportationen in die nationalsozialistischen Lager. Es herrschte das Chaos: Wer konnte, suchte noch Schutz jenseits der Alpen, manche wurden in Klöstern versteckt, andere in den Häusern mutiger Menschen. Wieder andere schlossen sich den Partisanen in ihrem Kampf gegen den Faschismus an.
Nach Kriegsende halfen der Gemeinschaft verschiedene Ereignisse bei der Erholung, an erster Stelle die Entstehung des Staates Israel (1948). Als bestätigt wurde, dass die Versammlung der Vereinten Nationen die Erschaffung des jüdischen «Heims» in Palästina beschließen würde, versammelten sich massenhaft Juden am 2. Dezember 1947 um den Titusbogen, um das Ereignis zu feiern.
Nach 1948 brachen zirka fünftausendfünfhundert Juden (dreitausendfünfhundert davon in Italien geboren) von der Halbinsel nach Israel auf, um dort zu leben. Sie vollzogen das “alijjah”: d.h. sie gingen in das Land ihrer Väter leben. Die Mehrheit der Überlebenden blieb jedoch in Italien und begann mit dem Wiederaufbau der Gemeinden.
In den letzten fünfzig Jahren hat sich das Leben der Juden normalisiert und neue Organisationsformen gefunden. Nur zwei Gemeinschaften, Rom und Mailand, nehmen den größten Teil der in Italien lebenden vierzigtausend Juden auf. Viele Gemeinschaften sind ganz verschwunden oder zum Verschwinden bestimmt. Es bleiben die Erinnerungen an die Vergangenheit, Zeugnis des kulturellen Schatzes der italienischen jüdischen Gruppe, die – obwohl kleiner als manche Gemeinden, die sich in anderen Ländern niedergelassen hatten – jahrhundertelang die eigene Identität beibehalten hat und dabei jedem Versuch der Vernichtung – gipfelnd im traurigen Holocaust – widerstanden hat.




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