Der Chianti

Ein kurzer blick in die Geschichte


Die historischen Wurzeln dieses unberührten Landstrichs im Herzen der Toskana reichen zurück bis in die Bronzezeit und werden von Fossilien, Fragmenten von Vasen, eingeritzten Steinen, aber auch von verschiedenen Werkzeugen und Waffen bezeugt. Archäologische Funde von Siedlungen und Gräberfeldern hingegen bezeugen das Leben der Etrusker, die bis zur römischen Eroberung in diesem Gebiet herrschten. Das berühmte Gräberfeld von Montecalvario in der Nähe von Castellina bei Radda lässt die Bedeutung des etruskischen Volkes im Chianti erahnen.
Und doch haben dem bekannten Geographen Emanuele Repetti (19. Jh.) nach die Römer diesem Gebiet seinen Namen gegeben. Er leitet sich ab von dem lateinischen Verb clango, das “ich halle wider” bedeutet und auf den Lärm der Jagden der Barone, die die Wälder dieses Gebietes widerhallen ließen, anspielt.
Da es von den wichtigsten römischen Straßen - von der Via Cassia, die das Valdarno durchquerte und auch von der Via Francigena (die über Siena und Lucca Roma mit Mittel- und Westeuropa verband), die über das nahe Valdelsa führte - ausgeschlossen war, blieb das Land des Chianti auch noch im Mittelalter isoliert. Trotzdem war es nicht weniger begehrt von den drei toskanischen Städten, die um die Vorherrschaft über die Toskana stritten: Arezzo, Florenz und Siena.
Die Politik der Vorherrschaft der Stadt Florenz prallte vor allem mit der Regierung der Stadt Siena zusammen und die Grenzen des jeweiligen Zugehörigkeitsgebietes der beiden Städte wurden lange umkämpft. Nach einer Legende aus den Anfängen des 12. Jh. löste man die Querelle mit einem Wettkampf: die Hauptpersonen waren zwei Ritter. «Der Ort der Begegnung der beiden Ritter, die beim ersten Hahnenschrei von den Stadttoren aufbrechen, wird die Grenze zwischen Florenz und Siena bezeichnen.» So wurde es in einer parlamentarischen Übereinkunft zwischen den Regierungen der beiden Städte festgelegt. «Man erzählt sich jedoch, dass sich die Florentiner eines schwarzen Hahnes bedienten, dem tagelang das Essen verwehrt wurde und der deshalb, hungrig wie er war, lange vor dem Morgengrauen schrie. Die Florentiner konnten so einen Vorsprung gewinnen, da ihr Ritter früher losritt. Und da er im Vergleich zu seinem Gegner viele Meilen mehr ritt, gelang es ihm, bis nach Fonterutoli im Gebiet von Castellina zu kommen.» Die Grenze wurde also bei Castellina festgesetzt, wenige Kilometer von Siena entfernt an einer später Croce Fiorentina genannten Stelle.
Doch Legende beiseite (die sicherlich den berühmten schwarzen Hahn ins Feld schickte): Der Schiedsspruch von Poggibonsi setzte im Jahre 1203 die florentinische Vorherrschaft fest, die sich konkretisierte mit der Schaffung einer Reihe autonomer Gerichtsbarkeiten mit Verwaltungscharakter, den leghe (Ligas), in den Grenzgebieten. Auch das Land des Chianti hatte eine. Sie war aufgeteilt in drei “Drittel”, die ungefähr den heutigen Gebieten der Gemeinden Radda, Castellina und Gaiole (historischer Chianti) entsprachen. Dies, bis die Medici – nach dem Fall der Republik Siena – auch diese Gebiete in ihren Herrschaftsbereich einverleibten.
Trotz seiner etruskischen und römischen Ursprünge ist der Chianti, so wie wir ihn heute kennen, in urbanistischer, landwirtschaftlicher und architektonischer Hinsicht (mit seinen Flecken und Bauernhöfen, Mühlen und Brennöfen, Bauernhäusern, Türmen und Burgen, Klöstern, Kirchen, Oratorien und Kapellen) mittelalterlich: ein Grenzland, das reich ist an Befestigungen und befestigten Dörfern. Ein Land, das die Faszination der Geschichte bewahrt hat. Ein Land, in dem der Weinstock über den anderen Anbau (Getreide, Gemüse, Obst) immer mehr die Oberhand gewinnt. Ein Land, in dem die alten Olivenbäume weiß schimmern. Das wertvolle, im Geschmack scharfe und leicht bittere Olivenöl, das aus den kleinen Oliven hergestellt wird, wurde bereits von den Römern geschätzt. Sie verwendeten es nicht nur für die Zubereitung von Speisen, sondern auch für die Beleuchtung, die Massage der Muskeln der Athleten und die Hautpflege der Frauen.
Wein und Öl charakterisieren die naturreine und schmackhafte Küche des Chianti (die wahrscheinlich auch die Bruschetta erfunden hat, die noch heute überall verbreitet ist, vor allem in der Zeit, wenn das Öl frisch gepresst ist), in der das Schwein und Kleinvieh noch heute unangefochten dominieren. Sie bewahrt die Prägung des alten Bauernhoflebens, als jedes Landgut unabhängig war: man buk das Brot im eigenen Ofen; man presste das Öl in der eigenen Ölpresse; im Hof hielt man Hühner und Hasen und im Stall die Ochsen, die Kühe, die Schafe und das Schwein, das mit einem großen Fest im Herbst geschlachtet wurde, wenn die Pilzsucher in den Wäldern die besten, zwischen den Kastanienbäumen wachsenden Steinpilze fanden.
Berühmt sind die leckeren Würste mit Fenchelkörnern und Gewürzen aus dem Chianti; der gefüllte Hals vom Huhn, den man in vielen Teilen der Toskana nur selten findet, der im Chianti jedoch noch ziemlich verbreitet und besonders wohlschmeckend ist; und natürlich der Schmorbraten, der in Wein geschmort wird und eine Kochzeit aus fernen Zeiten erfordert, die um die sechs Stunden beträgt; oder das Freilandhähnchen, das ebenfalls in Wein zubereitet wird, oder der Hase mit den schwarzen Chiantioliven.