Le Castella

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In der Zwischenzeit geht das Abenteuer von Centelles elendig zu Ende; seiner Lehnsgüter beraubt, die an die Krone gehen, wird Le Castella an den Statthalter Giovanni Pou verkauft, der dann ebenfalls des Verrats beschuldigt und seiner Besitzungen beraubt wird. Dieses Mal geht Le Castella an Giovanni Nauclero, der 1487 den Befehl erhält, alle Verräter zu bestrafen, die in jenen Jahren gegen die Aragonier komplottiert hatten. Nauclero geht geduldig und treu vor, doch dies reicht nicht aus, damit er seine Güter behalten kann. Die Ländereien von Le Castella, Cutro und Roccabernarda werden 1496 für die hübsche Summe von neuntausend Dukaten an den neapolitanischen Adeligen Andrea Carafa verkauft. Von diesem Moment an liegt Le Castella im Einflussbereich der Grafschaft Santa Severina. Harte Zeiten kommen auf den Ort zu, der zwischen der Mitte des 16. Jh. und dem nachfolgenden Jh. dem Schwinden seiner Bevölkerung, dem fast gänzlichen Verschwinden des Handels und dem Verdorren seines schönes Landes zusehen muss. Urgrund dieser langen ungünstigen Konjunktur ist die Osmanische Macht, die sich wie ein Feuer im Mittelmeer ausbreitet, ohne auf sichtlichen Widerstand zu treffen.
Die Angriffe auf Le Castella beginnen scheint's im Jahr 1553, in dem der Führer Caffat es angreift, das Land in Brand steckt und viele Ortsbewohner gefangen nimmt. Drei Jahre später erscheinen türkische Segel am Horizont; sie nähern sich der Küste und beginnen, sobald sie ihr nahe genug sind, mit der Bombardierung. Die Bewohner des Fleckens antworten den ganzen Tag auf das Feuer, doch am Ende müssen sie aufgeben. Chaireddin Barbarossa, der Schrecken der Meere, befiehlt die Plünderung. Viele finden den Tod, andere wiederum (darunter ein magerer Junge, Giovanni Dionigi Galeni, der der berühmte Kiligi Alì alias Uccjalì werden soll), werden zu Sklaven gemacht und zwischen dem Sultan, Piraten und Mannschaft aufgeteilt. Castella hat noch nicht einmal die Zeit, um seine Wunden zu lecken, als es 1544 und 1548 erneut geplündert wird, diesmal vom Pirat Dragut.
Die Bewohner verlieren jedoch nicht den Mut; und da sie wissen, dass der Feind sicher erneut zurückkehren wird, befestigen sie Castello, graben Höhlen, in die sie durch gut getarnte Falltüren gelangen können, bauen einen Wachturm, und bereiten auch in Hinblick auf einen Landangriff eine wirksame Verteidigung vor. Dramatisch sind in der Zwischenzeit auch die Geschicke der Lehnsherren. Beim Tod von Andrea Carafa (1526) geht die Grafschaft Santa Severina, die auch das Land von Le Castella und andere Lehen umfasst, an Galeotto Carafa, den Neffen von Andrea, der u.a. den Einfällen von Barbarossa und Dragut entgegentreten muss; dazu muss er das Problem einer sehr ungünstigen Konjunktur angehen, die die Zerstückelung der Grafschaft Santa Severina und den Verkauf von Castella an Ferrante Carafa, Graf von Soriano und Herzog von Nocera dei Pagani, mit sich bringt.
Auf Ferrante folgt 1558 Sohn Alfonso, der genau gleichen Jahr dem x-ten türkischen Einfall beiwohnen muss. Dieses Mal ist es Mustafà Pascià, der es auf Cutro abgesehen hat und, nachdem er auch Le Castella beträchtliche Schäden beigebracht hat, es mit Feuer und Schwert ausrottet. Während diesen Überfällen wird das junge Fräulein Caterina Ganguzza gefangen genommen, die, so erzählt man sich, es vorzog, sich das Leben zu nehmen, als Konkubine des Sultans zu werden. Alfonso muss auch langwierige Streitereien mit dem Bischof der Diözese durchhalten, der Ansprüche auf einige Ländereien von Castella erhob. Er bringt dann auch die von allen Vasallen zurückgewiesene Idee vor, Le Castella sogar abzureißen, um zu verhindern, dass sich die Türken dort einnisten. Unter Alfonso und seinem Nachfolger Francesco Maria zerfällt das Lehen mit dem Verkauf von Castella, Cutro, Roccabernarda und den angeschlossenen Lehen an Giovanna Ruffo, Marchesa von Licodia und später auch Prinzessin von Scilla.
Beim Tod von Giovanna (1650) geht Le Castella an den Sohn Francesco Maria. Unter dessen Herrschaft erlebt Castella im Umfeld eines allgemeinen Projekts, das alle Klöster betraf, die nicht eine Mindestanzahl an Geistlichen hatten, die Unterdrückung des Klosters der Reformierten Minderbrüder seitens Papst Innozenz X. Die Lage spitzt sich zu und die Gläubiger der Ruffos beantragen, da Letztere ihre hohen Schulden nicht bezahlen können, die Versteigerung ihrer Güter. Die Ländereien von Cutro, Le Castella, Roccabernarda und auch andere werden also für 150.000 Dukaten von Pietro Carafa im Namen von Francesco Filomarino (1664) erworben. Die Filomarinos sind die letzten Inhaber des oben genannten Lehens.
Das von den französischen Eroberern Napoleons gewollte subversive Lehensgesetz hätte den Übergang dessen, das ein großes Lehen gewesen war, an die Familie der Barracco und der Berlingieri begünstigt. Im schicksalshaften Jahr 1799 ist Le Castella erneut Epizentrum von Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und Bourbonen und Landepunkt der aus Sizilien kommenden Truppen. Die stürmischen Jahre von Le Castella sind jedoch vorbei. Von jenem Moment an folgt der Ort, der zunächst Crotone angegliedert und danach eine Fraktion von Isola Capo di Rizzuto geworden ist, den verwaltungsmäßigen und politischen Geschicken zunächst des wiederentstandenen Königreichs Neapel und später des Italienischen Staates.