Villafranca

Der Serraglio; Scaligermauer

Im 12. Jh. richtete die Freistadt Verona ihre Aufmerksamkeit auf ihre südwestlichen Grenzen. Der vom Mincio, den Moränenhügeln sowie von den Tione-Sümpfen gebildete natürliche Schutz scheint in der Tat ungenügend im Hinblick auf die von Brescia und von Mantua ausgehende Gefahr (Visconti und Gonzaga). Man schritt somit zum Bau der Burgen von Ponti sul Mincio, Monzambano, Valeggio, Villafranca, Custoza und Sona. Ab 1284, also zu Beginn der Scaligerherrschaft unter Alberto I., wurden diese Kastelle verstärkt, wurde das bereits von Mauern verteidigte Dorf Borghetto (ein ehemaliges Kirchenlehen der Abtei von San Zeno in Verona) weiterhin befestigt, wurde auf dem schon existierenden kommunalen Mauersystem der "Serraglio" errichtet. Dieses gigantische Bauwerk bestand aus einem langen, mit 150 (vielleicht auch 200) Türmen bestückten Mauerzug, der, über Borghetto verlaufend, die vier Burgen von Valeggio, Gherla, Villafranca und Nogarole verband. Insgesamt 16 km lang (Veronas Mauerring der Scaliger nicht mitgerechnet), war diese Mauer mit einem durchschnittlich 12 Meter breiten und 3 Meter tiefen Graben versehen, in den kurz vor Villafranca der Fluß Tione eingeleitet war. Vor dem Kastell von Villafranca, das den Mittelpunkt der gesamten Anlage darstellte, wurde über den Tione als eine Art großen Vorwerks die Brücke "Porton di Villafranca" errichtet. Dieses 1345 von Mastino II. begonnene enorme Unternehmen wurde 1355 von Cangrande fertiggestellt. 1359 ging man dazu über, die Burg von Villafranca in einer großen quadratischen Einfriedung zu versehanzen. Dieser mit hohen Kurtinen und 10 Türmen ausgestattefe Bau hatte eine Seitenlänge von 140 Metern; in seinem Innern fanden nicht nur 250 Reiter, sondern auch noch ein Teil der Besatzung des "Serraglio" Platz. Nach dem Niedergang der Scaliger wurde die Anlage van G.G. Visconti mit dem nicht weniger als 600 Meter langen Wehr über den Mincio vervollständigt, einer Brücke von außerordentlicher Schönheit. Außer Borghetto existieren heute von dem ganzen "Serraglio" nur noch das restaurierte Kastell von Valeggio, die Ruinen von Gherla, die kürzlich wieder in Ordnung gebrachte Burg von Villafranca sowie, im Südosten, ein Teil der Rocca von Nogarole; die Reste der großen Mauer wurden dagegen im vergangenen Jahrhundert zuerst von den Franzosen, später von den Österreichern zerstört.